Bock auf den Bock

Weserbergland (jlg). Der Winter ist für Biker erneut Geschichte. Seit einigen Tagen heißt es wieder, das Weserbergland auf zwei Reifen genießen zu können, denn viele der Saisonkennzeichen reichen von April bis einschließlich Oktober. „8255 Krafträder sind im Landkreis Hameln-Pyrmont zugelassen“, sagt Anna König von der Pressestelle der Kreisbehörde. Und die kommen jetzt wieder verstärkt in Wallung, was die Unfallgefahr erhöht. Leider.

Das liegt allerdings an allen Verkerhsteilnehmern, nicht allein an den Bikern. Experten haben vor allem zwei Risikofaktoren ausmachen können: Einerseits sind die Saison-Biker während der dunklen Tage schon auch „eingerostet“ und müssen neben der frischen Luft, die ihnen nun wieder um Helm und Nase weht, auch Erfahrung schnuppern. Und andererseits haben viele Autofahrer in den vergangenen Monaten kaum mit Motorrädern zu tun gehabt; sie jetzt wieder verstärkt im Verkehrsraum anzutreffen, verlangt erhöhte Aufmerksamkeit.

„Waren die Autofahrer in den vergangenen Monaten fast für sich allein unterwegs, teilen sie sich die Straßen jetzt wieder mit den Bikern: An einem normalen

Wochenende ist jedes 50. Fahrzeug in Deutschland ein Motorrad. An Frühjahrswochenenden ist jedes dritte ein Bike, weshalb genau in dieser Zeit besonders viele Unfälle geschehen“, sagt Michael Pfand, Leiter der TÜV-Station Hameln. Deshalb sein Tipp: „Man sollte jetzt besondere Vorsicht walten lassen und zum Beispiel die Kurven nicht schneiden.“ Zudem gehe es um den allgemeinen Maschinen-Check. Licht (Brems-, Fern- und Abblendlicht) und Blinker, Hupe, Killschalter, Spannung und Schmierung der Kette, Flüssigkeitsstände und vieles mehr müssen in Ordnung sein. Oberstes Gebot auch: genug Profil auf den Reifen.

Und natürlich der eigene Check. Ralf Nemela, einer von vielen Motorradfahrern im Landkreis und schon lange auf dem Bock, hatte erst jüngst miterlebt, wie schnell man die Erfahrung verliert. „Ich bin tatsächlich mit dem Koffer hinten an einem Pfeiler auf einem Supermarktparkplatz hängengeblieben, weil ich die Kurve zu eng genommen habe. Normalerweise würde ich behaupten, dass mir so etwas nach so vielen Jahren Motorradfahren nicht mehr passiert – aber es passiert eben doch, wenn man, wie ich, nur zwischen März und Oktober fährt“, sagt der Hamelner, der jetzt wieder Bock auf den Bock hat. Selbstüberschätzung sei die größte Gefahr, einen Unfall zu haben. „Bikerinnen und Biker sind gut beraten, sich mit kurzen, gemächlichen Ausritten erst wieder an ihre Maschinen zu gewöhnen. Wer allzeit sicher auf dem Bock sitzt und seine Fähigkeiten realistisch einschätzen kann, reduziert das Unfallrisiko erheblich“, sagt auch TÜV-Stationsleiter Michael Pfand.