Stahlhut: Schluss zum 30. September

Bad Pyrmont. Der Geschäftsführer der Bad Pyrmont Tourismus GmbH (BPT), Karsten Stahlhut, verlässt Bad Pyrmont. Er hat den Aufsichtsrat der Gesellschaft um die Aufhebung seines Vertrages zum 30. September 2019 gebeten. Stahlhut bestätigte am Montag entsprechende Informationen. Mit den finanziellen Schwierigkeiten der BPT habe seine Entscheidung nichts zu tun, versicherte er. „Ich habe die Möglichkeit, mich beruflich noch einmal zu verändern und weiterzuentwickeln.“

Seit dem Wochenende machte das Gerücht von den Wechselwünschen des BPT-Chefs die Runde. „Ich bin jetzt 42 Jahre alt und der Zeitpunkt für eine berufliche Veränderung passt“, erklärte Stahlhut am Montag. Dem Tourismus will er den Rücken kehren, an seinem neuen Arbeitsplatz in Hannover werde er sich der Personal- und Unternehmensberatung widmen. In und für Bad Pyrmont und die drei BPT-Gesellschafter Stadt, Staatsbad und Kur- und Verkehrsgesellschaft arbeitet er seit 2010.

Wenig später verbreitete er die Neuigkeit per Pressemitteilung, mit der er sich alle Mühe gab, seine erfolgreiche Arbeit herauszustellen. Das Pyrmont-Plus-Programm (das von den Vermietern bezahlt wird), welches den Weg zu einem integrierten Gesundheits-Resort ebnen sollte, zählt er ebenso dazu wie das prämierte Programm „Gesund & Glücklich“ und vor allen Dingen den Bau und den Betrieb des Reisemobilplatzes. Dass er sich um diesen Platz besonders intensiv bemühte und persönlich den Brötchenservice sicherstellte, wurde in Vermieterkreisen aber auch kritisch gesehen. Doch der Platz ist ein Erfolgsmodell und wirft mittlerweile nennenswerten Gewinn ab. Außerdem habe er mit der Neukonzeption des Wanderwegenetzes und des Emmerradweges mit der Einführung des E-Bike-Verleihs 2011 den Grundstein für die touristische E-Mobilität gelegt. Weitere Projekte, die er entwickelt, angeschoben und zeitnah umgesetzt habe, seien der neue City-Guide und auch das „Pop Up Konzept“, um dem Leerstand in der Innenstadt entgegenzuwirken. „Auch wenn es mal Tiefpunkte gab, ich habe sehr viel Herzblut in meine Arbeit gesteckt, was sich sicher auch an den Ergebnissen ablesen lässt. Daher fällt mir der Abschied auch nicht leicht“, versichert er.

Die Vertreter der Gesellschafter zeigten sich überrascht, äußerten aber auch Verständnis. „Karsten Stahlhut hat sich um Bad Pyrmont verdient gemacht und viele, nachhaltig positive Produkte und Werte geschaffen, von denen wir als Stadt noch lange profitieren werden“, wird Bürgermeister Klaus Blome als Aufsichtsratsvorsitzender zitiert. Kurdirektor Maik Fischer ließ wissen, dass er die Entscheidung Stahlhuts sehr bedauere. „Mit ihm verlieren wir nicht nur sehr viel touristische Kompetenz, sondern auch einen durchsetzungsstarken, kreativen Strategen und Macher, der sich nicht zu schade ist, auch selber mit anzupacken.“ Was er in den letzten neun Jahren für Bad Pyrmont erreicht habe, verdiene große Anerkennung, heißt es schließlich von Martina Tigges-Friedrichs, Vorsitzende des Kur und Verkehrsvereins.

Das blendet aus, dass die BPT finanzielle Probleme hat und dass Stahlhut gerne mehr tun wollte, als das Rathaus bereit war, ihm zu geben. Mit Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderung hätte er gerne sein Aufgabengebiet ergänzt. Was die finanzielle Situation angeht, so hatte Stahlhut vor einigen Wochen dem Aufsichtsrat deutlich gemacht, wie ernst es um die Gesellschaft bestellt ist. In fünf Jahren werde sich – wenn sich nichts ändere – bis zum Jahr 2024 ein Fehlbetrag in Höhe von rund 250000 Euro ansammeln, den wohl keiner der Gesellschafter ausgleichen kann – die Stadt als Bedarfskommune schon gar nicht. Einberechnet sind Kostensteigerungen beim Personal und ein höherer Beitrag an den Tourismusverband Weserbergland. Ohnehin wurde das Budget der BPT seit Jahren immer kleiner, die Möglichkeiten für Tourismusmarketing immer geringer. „So wie es ist, kann es nicht weitergehen“, hatte Bürgermeister Klaus Blome vor einigen Wochen im Gespräch bestätigt.

Gleich ob nun Stahlhuts Wunsch nach einer persönlichen Neuausrichtung damit zusammenhängt oder nicht: Seine Entscheidung kommt in einer für die Bad Pyrmont Tourismus GmbH sehr schwierigen Zeit.