Digital in die Zukunft

Hameln. Es gibt einen Werbefilm, in dem sich die Stadtbibliothek von Köln-Kalk präsentiert und in dem die Bücherei eher an eine Buchhandlung oder ein Wohnzimmer erinnert. Dagegen wirkt die Stadtbücherei in Hameln, die sich seit 29 Jahren in der Pfortmühle befindet, etwas angestaubt. Wohl deshalb zeigte Dr. Dorothee Esser-Link, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur, diesen Film der Politik. Sie will die Stadtbücherei und mit ihr die gesamte Pfortmühle neu ausrichten.

„Die Pfortmühle ist ein Schatz, der weiter gehoben werden muss, damit er noch mehr Bedeutung bekommt, als er bereits hat“, sagte sie Donnerstag im Kulturausschuss. Zwar sinke die Anzahl der Ausleihen – aber das sei bundesweit Trend und liege in Hameln noch im Rahmen. Zurückzuführen sei der Rückgang auf das Nutzerverhalten, das sich verändert habe. Dies gelte auch für die Besucherzahlen. Trotzdem, so Esser-Link, die die Stadtbücherei derzeit kommissarisch leitet, arbeite man mit 11,2 Stellen gewissermaßen am Limit. Auch die neun vorhandenen Computerarbeitsplätze seien zu wenig. „Mehr digital, weniger analog“, so Esser-Link. Derzeit sei es noch umgekehrt, gibt es mehr Bücher aus Papier als digitale Medien und Angebote. Auch die Öffnungszeiten müssten ausgedehnt und noch auf das Wochenende ausgeweitet werden. Schließlich hätten sich die Zeiten in den vergangenen 29 Jahren geändert. Habe früher noch das Buch im Vordergrund einer Stadtbücherei gestanden, sei es heute der Besucher. Nach seinem Zuhause und seiner Arbeitsstelle brauche der Mensch einen „dritten Ort“, eine Anlaufstelle, die er gerne aufsuche.

Für diesen Zweck müsse dem Besucher mehr geboten werden, mehr Gelegenheit zur Kommunikation und zum Austausch – dafür solle ein inklusives Café entstehen. Auch Raum zum spielerischen Lernen und zur Kreativität solle es geben – „Makerspace“ sei das Schlagwort, ein Werkraum. Eine Verzahnung mit „Zedita“, dem Zentrum für digitale Transformation und neue Arbeit, und dem Schülerforschungszentrum in spe solle es geben. Was bleibe: der Schwerpunkt auf der Sprach- und Leseförderung in Kombination mit Medienkompetenz sowie das Bewahren des Kulturerbes Buch.

Eine weitere Herausforderung bestehe darin, die Menschen in die Stadtbücherei zu locken. Ihr Standort sei mit der Pfortmühle ideal. Der Weserradweg und der City-Busbahnhof direkt vor der Haustür würden die potenziellen Besucher ja schon fast „ins Haus kippen“, so Esser-Link. Doch um diese Zielgruppe zu erreichen, brauche es etwa Tourist-Info-Points, eine Café- und Leseterrasse oder auch eine Ausgabestelle für Gelbe Säcke. Dadurch würden Synergieeffekte entstehen, wie etwa auch eine Aufwertung des Weserufers. „Kulturraum an der Weser“ nennt Esser-Link den dritten Ort, der ihr für die Pfortmühle vorschwebt. Sie strebe rund ums Werder sogar ein alle zwei Jahre stattfindendes Kulturfestival an.

Die Politik war sich nach diesem Plädoyer der Leiterin des Kulturfachbereichs einig: toll! Heißt: Die Stadtverwaltung soll ein detailliertes Konzept für die Pfortmühle samt Stadtbücherei erarbeiten. Eine Frage, die Sven Kornfeld von der Grünen-Ratsfraktion am Donnerstag gegenüber Radio Aktiv in den Raum geworfen hatte, kam an diesem Nachmittag nicht zur Sprache: Ob sich für die Stadtbücherei nicht vielleicht auch an anderer Stelle als in der Pfortmühle Räume für sie finden lassen könnte.