Heißzeit!

Hameln-Pyrmont (mes/ey). Das Weserbergland surft auf einer brutalen Hitzewelle. Und als wäre der gestrige Dienstag nicht schon schweißtreibend genug gewesen, kommt es heute noch dicker: Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Temperaturen, die sogar die 37 Grad knacken könnten. Die Schuldige: Saharaluft! Das bedeutet. Mehr Durst, aber auch mehr Menschen, die zu wenig trinken. Mehr Kreislaufbeschwerden. Mehr Notarzteinsätze. Mehr Sonnenbrände. Mehr, mehr, mehr. Und noch dazu eine höhere Waldbrandgefahr und dürstende Bäume.

Im Sana-Klinikum herrscht

hitzebedingter Hochbetrieb

Die Hitze stellt besonders für Ältere, Kinder und Menschen mit Kreislaufproblemen ein Risiko dar; sie sollten körperliche Anstrengung und längere Aufenthalte im Freien vermeiden. Sonst drohen Hitzschlag, Dehydrierung und Kreislaufzusammenbrüche. Das erfährt dieser Tage auch das Sana-Klinikum in Hameln. Seit Mitte vergangener Woche verzeichne das Krankenhaus reichlich Einlieferungen von Menschen mit hitzebedingten Symptomen. „Montag waren es acht an der Zahl“, sagt Ben Schwerdtfeger, Chefarzt der Abteilung für Notfallmedizin. „Wir haben sehr viele Patienten mit Kreislaufproblemen, die bei der Wärme einfach zu wenig getrunken haben.“ Wer also nicht herzkrank ist, solle bei diesen Temperaturen das Doppelte an Flüssigkeit zu sich nehmen, das er sonst trinkt.

Cornelia Valentin vom Sozialen Dienst der Julius-Tönebön-Stiftung betreut zahlreiche ältere Menschen und ist sich des Problems Hitze bewusst. „Wir achten darauf, dass sich die Bewohner bei hohen Temperaturen entweder in den Räumen oder draußen im Schatten aufhalten und ausreichend trinken“, sagt sie. Natürlich gebe es auch mal ein Eis für alle. Sie hat aber noch einen Tipp in Petto, den sie auch bei den Bewohnern der Julius-Tönebön-Stiftung anwendet: „Wohltuend ist ein kühles Handtuch im Nacken.“ Aber nach dem Hitze-Sommer 2018 „können uns auch 35 Grad nicht schocken“.

Mehr Kunden, viel mehr Kunden verzeichnet zurzeit Thorsten Schwentker von der Getränke-Quelle in Aerzen. „Ist ja klar: Die Leute brauchen Wasser. Die müssen trinken“, sagt er. Und kommen zu ihm. Sein Team schwitzt, legt Überstunden ein. Die Nachfrage ist viel höher als an normalen Tagen, in Zahlen könne er das jetzt noch nicht bemessen, „aber wir haben gut zu tun“. Was auffällt: Immer mehr Menschen informieren sich. „Beim Wasser fragen sie, wie hoch der Kalzium- oder Magnesiumgehalt ist. Bei Getränken mit Fruchtgeschmack wollen sie zuckerfreie Varianten. Es tut sich was im Bewusstsein“, sagt der Getränkehändler. Und: „Wasser ist nicht gleich Wasser. Spurenelemente und Mineralien sind für die Qualität entscheidend, und da hat der Fachhandel eine riesengroße Bandbreite“, so Schwentker. Mit anderen Worten: Wasser zu trinken muss keine Pflicht sein, sondern kann zum Vergnügen werden.

Bei Radio Schulz in Afferde war man im vergangenen Sommer indes auf dem Trockenen, zumindest was Klimageräte und Ventilatoren anbelangt. „Irgendwann waren sie vergriffen, der Sommer war aber noch gar nicht vorüber…“, erinnert sich Geschäftsführer Jörg Schulz. Und heute? „Die Nachfrage ist immens. Die hat sich verdoppelt, verdreifacht, ich weiß es nicht genau, es gibt jedenfalls sehr viel mehr Kunden, die jetzt danach fragen.“ Ein bisschen kühle Luft ist alles, was sie wünschen. Dafür geben sie bis zu 700 Euro für ein Klimagerät aus. „Den einfachsten Ventilator gibt‘s für um die 30 Euro, aber wer ein langlebiges Produkt kaufen möchte, sollte mehr investieren“, rät Jörg Schulz. Die meisten hören drauf.

Viele hören aber nicht auf ihre Haut, und da wären wir also beim Thema Sonnenbrand angekommen. Die Raths-Apotheke in Hameln vermeldet erhöhten Bedarf ihrer Kunden an Sonnenschutzcremes und -sprays, was gut ist. Aber wo es schon zum Sonnenbrand gekommen ist, schwören manche auf das alte kühlende Hausmittel „Quark“, was schlecht ist. Denn darin können sich Keime befinden, die die ganze Sache nur noch schlimmer machen. „Tyrosur“-Wundgel ist momentan der Apotheken-Tipp für Sonnengeplagte. Und den zweiten Tipp gibt‘s gratis dazu: schnell raus aus der Sonne und im Schatten bleiben. Tagelang.

Bleibt der bange Blick der Forstbeamten zum Himmel: „Es besteht akute Waldbrandgefahr“, warnt Hamelns Forstamtsleiter Ottmar Heise. Mehr noch als das Feuer ängstigt ihn der eingeschränkte Wasserhaushalt. „Die Bäume darben. Nach dem wahnsinnig trockenen Sommer jetzt wieder so eine Hitze – der Wasserhaushalt hat sich noch lange nicht stabilisiert, das merken wir den Bäumen an.“