Wo sind die Dachdecker?

Hameln-Pyrmont (mes). Kein Nachwuchs im vergangenen Jahr und nur zwei Auszubildende 2019 im gesamten Landkreis Hameln-Pyrmont – für die Dachdecker wird es immer schwieriger junge Menschen für ihr Metier zu begeistern. Tröstlich an dieser Entwicklung ist einzig: Sie sind nicht allein, es trifft alle Gewerke. Der Markt ist leer gefegt. Bei den Dachdeckern allerdings überdurchschnittlich schlimm, sie kämpfen um ihre Zukunft. Es braucht Ideen, um durch Nachwuchswerbung Aufmerksamkeit und Interesse bei den Jugendlichen zu wecken.

Obermeister Hartmut Fischer von der Dachdeckerinnung Hameln-Pyrmont ist diese „Misere“ bekannt. „Es gab in den letzten Jahren generell wenig Nachwuchs – überall im Handwerk“, bedauert er. Nur zwei Gesellen seien Anfang des Monats von der Dachdeckerinnung Hameln-Pyrmont freigesprochen worden. Aber: „Für die anstehenden Zwischenprüfungen sind es sechs bis sieben“, freut er sich. Es sei normal, dass die Zahl schwankt. Trotzdem: „Vor ein paar Jahren waren es immer so um die zwölf Lehrlinge.“ Um eine Schulklasse zusammenzubekommen, bedarf es sieben Auszubildender.

Nach den Gründen für diesen Rückgang gefragt, kennt Fischer Antworten. Zum einen sei das Ansehen des Dachdeckerberufs im Allgemeinen gesunken. „Die Jugend denkt, er sei unattraktiv, weil man sich schmutzig macht und bei jeder Witterung draußen ist“, sagt er.

Schlechtes

Image

Gesellschaft, Schule, Politik – sie alle stünden dem Beruf auch nicht gerade positiv gegenüber. Auch die sozialen Netzwerke trügen zu dem schlechten Image bei. „Die Jugendlichen sind heute gut vernetzt; wenn da jemand in einer Gruppe etwas Negatives schreibt, wird diese Meinung oft adaptiert, ohne sich selbst Gedanken zu machen“, meint er.

Fluch und Segen: Denn auf der anderen Seite sieht Hartmut Fischer in der digitalen Welt auch eine Chance: Über entsprechende Portale funktioniere heute die Lehrstellensuche. „Darüber bekommen wir meist unsere Lehrlinge; es passiert selten, dass sich ein Interessierter per Telefon bewirbt“, sagt Fischer. Oder eine Interessierte – denn mittlerweile fänden sich auch Frauen unter den Dachdeckerlehrlingen. „Es kommt eben nicht nur auf Muskelkraft an, sondern auch auf Köpfchen!“

Und warum sollten Schulabgänger nun den Beruf des Dachdeckers ergreifen? Hartmut Fischer nennt zahlreiche Gründe: „Die Verdienstmöglichkeiten sind gut und auch die Aussichten, in Arbeit zu bleiben.“ Eine Vollbeschäftigung bis zur Rente sei so gut wie sicher, Arbeitslosigkeit nahezu ausgeschlossen. Außerdem gebe es tolle Weiterbildungsmöglichkeiten. „Man kann seinen eigenen Betrieb gründen, seinen Meister machen, in die Industrie gehen, studieren“, zählt er auf. Ein Geselle könne sofort eine Meisterschule besuchen und es bis zum Bachelor bringen. „Der Dachdeckerberuf bietet so viele Chancen!“

Jetzt ist es an den Fachverbänden und Innungen es zu schaffen, die Jugend zu überzeugen. Es müsse eben nur noch mehr publik gemacht werden. „Wir hoffen auf viele neue Lehrlinge in den nächsten Jahren“, so Fischer.