Irgendwas muss bei der Schöpfung gründlich schief gelaufen sein. Denn kaum waren Autos als Klimakiller benannt, hätten Kleinwagen einen Vernunft-Boom erfahren müssen – was ja auch logisch gewesen wäre. Stattdessen – wo man auch hinschaut: Geländewagen als PS-Monster für die 30er-Zonen. Nicht anders beim Fleisch mit seiner katastrophalen Öko-Bilanz. Gerodete Urwälder in Brasilien und Indonesien für zusätzliche Weidegründe und Viehfutter. Und im Fernsehen die Super-Grill-Show mit einem „Bistecca alla Fiorentina“. Ein Zwei-Kilo-Stück im XXL-Format auf dem Rost – tonnenweise Steak im Smoker und neuerdings in den Oberhitze-Grills, die es auf 800 Grad Strahlwärme bringen.

Dazu die Theken unserer Discounter mit Tomahawks und Steaks mit oder ohne Eye aus Irland bis Argentinien gefüllt. Fast schon trotzig gegen den Klimawandel gegrillt. In der Angst, es könnten für lange die letzten Grillstücke aus Fleisch sein, auch wenn sie ihre so häufig kraftarme, mehlige Konsistenz immer wieder mal dem eisigen Tiefschlaf einer langen Reise verdanken.

Keine schlaflosen Nächte deswegen, aber immerhin ein schlechtes Gewissen – denn natürlich ist so ein Stück Fleisch vom Grill ein Genuss. Das wussten schon unsere Neanderthaler. Dennoch versuche ich die „Ausrutscher“ in die Steinzeit immer wieder vegetarisch auszugleichen. Das sind meistens Suppen auf Gemüse-Basis, Pasta-Variationen von „alla Norma“ bis zu Pilz-Risotti und unseren so leckeren Aufläufen. Manchmal mit lässlichem Sündenfall, wenn auch Schinkenstreifen dabei sind.

Einer meiner Favoriten – ganzjährig: Blumenkohl, für den fast jede Familie ein eigenes traditionelles Rezept besitzt. „Ein schöner Blumenkohl“ heißt es in den meisten Angaben und bezieht sich auf vier Portionen. Das heißt also, dass ein Pärchen, dessen Kinder bereits ihre eigenen Familien gegründet haben und jetzt unsere Enkel füttern, mit einem kleineren Kopf auskommen, der entsprechend größer sein sollte, je mehr Esser am Tisch sitzen. Nehmen Sie ruhig den jeweils größten Kopf (was ja nicht immer zu empfehlen ist), aber hier auch noch für eine Suppe die Basis bildet – eine sogenannte „Dubarry“, nach der berühmten Geliebten von Frankreichs Ludwig XV. benannt, die Blumenkohl über alles schätzte.

Kartoffeln Erbsen geriebener Käse Butter Zwiebel Mehl Rinderbrühe süße Sahne Salz Pfeffer Eigelbe Beinschinken Natürlich richten sich die Zutaten nach der jeweiligen Kopfgröße und die Größe der Gratin-Form, die großzügig ausgebuttert wird. Dazu kommen etwa 350 Gramm geschälte , 200-300 Gramm , die aus der Tiefkühltruhe stammen dürfen, ja fast schon sollen, weil sie besser sind. Dann 100 Gramm , vorzugsweise ein Greyerzer, der hinter dem „Rösti-Graben“, der die deutsche Schweiz von der französischen trennt und auch Gruyère heißen kann. Für die Sauce 40 gr vorbereiten, 1 , 40 gr , 1/4 Liter , 1/4 Liter , , , grob geschrotet, zwei und wer es – trotz Rinderbrühe, die ja auch aus Gemüse sein kann – nicht ganz so vegetarisch möchte, kann noch 250 Gramm vorbereiten.

Der Blumenkohl etwa 15 Minuten in gesalzenem Wasser garen. Herausheben, bevor er weich wird und in Röschen teilen. Die Kartoffeln in Scheiben scheiden – nicht zu dünn. Den Schinken würfelig. Die Kartoffeln etwas anbraten und in der Gratin-Form damit den Boden bedecken. Die aufgetauten Erbsen und die Schinkenwürfel darüber verteilen. Alles mit den Röschen bedecken.

Butter zerlassen, die gewürfelte Zwiebel anschwitzen und Mehl darüber stäuben. Mit Brühe ablöschen, glatt rühren, etwas einkochen lassen. Dann die Sahne (zwei Esslöffel zurückbehalten) dazugeben und rund acht Minuten köcheln lassen. Salzen, pfeffern. Eigelbe mit der restlichen Sahne verschlagen, in die abgekühlte Sauce einrühren und gleichmäßig über die Röschen gießen. Mit dem Käse bestreuen und in das auf 220 Grad vorgeheizte Rohr auf mittlerer Schiene in rund 15 Minuten überbacken.

Dazu gibt’s grünen Salat und Baguette. Ob mit oder ohne Schinken, immer der genüsslich gestöhnte Satz: „Das müsste es öfter geben.“ Und zwischendurch darf dann wieder mal ein Steak auf den Grill. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Natürlich nur für die, die auch eines haben.

Herzlichst, Ihr

Richard „Ricki“ Peter