Der doppelte Martin

Hameln-Pyrmont (mes). Kaum haben sich die gruseligen Gestalten in ihre Gruft bis zum nächsten Halloween zurückgezogen, stehen wieder Kinder in den Startlöchern, um von Tür zu Tür zu ziehen. Auf der Jagd nach Süßigkeiten. Und im besten Fall singend. Weil Martinsabend ist. Und in jedem Jahr dieselben Diskussionen im Vorfeld: Ist der eigentlich am 10. oder am 11. November? Die Antwort: an beiden Tagen! Weil’s in der Tat um zwei Martins geht – den Heiligen Martin von Tours und Martin Luther!

Mit bunten Laternen ziehen die Kinder Lieder singend zu Ehren des Heiligen Martin und Luthers durch die Straßen. „Martin Luther wurde am 10. November geboren und am 11. November Martin von Tours“, erklärt Philipp Meyer, Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Hameln-Pyrmont. In evangelischen Gegenden ist das Martinssingen also auf Luther bezogen, in katholischen auf die französische historische Persönlichkeit.

Der Heilige Martin war römischer Soldat und später Bischof von Tours. An einem kalten Wintertag soll er einem armen, unbekleideten Mann begegnet sein, mit dem er – in einem Akt der Barmherzigkeit – seinen Mantel mit seinem Schwert teilte, erzählt Philipp Meyer. Bis heute wird er in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Sein Namenstag fällt auf den 11. November, an dem daher das katholische Martinssingen stattfindet.

In der protestantischen Kirche, überwiegend in der lutherischen Glaubensrichtung, hat sich hingegen die Bezeichnung Martinisingen durchgesetzt. Dieses findet traditionell einen Tag früher, am 10. November, dem Geburtstag des Reformators Martin Luther statt.

Sowohl das Martinssingen als auch das Martinisingen haben das Bettelmotiv gemein. Bei den Protestanten geht dieses auf die Bettelmönche zurück. Die meisten evangelischen Lieder, die am Martinstag gesungen werden, beziehen sich aber auf die Verehrung Martin Luthers. „Die Kinder gehen betteln, damit andere Menschen wohltätig werden“, führt der Superintendent aus.

Andere Überlieferungen sehen den Ursprung des Martinssingens in Bezug auf den historischen Brauch, singend von Tür zu Tür zu ziehen und um Gaben zu bitten. Traditionell wurden die Landarbeiter und das Personal am 10. November aus dem Dienst entlassen. Die kalte Jahreszeit mussten sie nun ohne eigenes Einkommen überstehen. Um ihnen zu helfen, bettelten die Kinder bei Bauern und wohlhabenden Nachbarn um Lebensmittel. Dabei trugen sie aus Rüben oder Kürbissen geschnitzte Laternen und gaben gereimte Sprüche oder Lieder zum Besten.

Bleibt noch die Frage zum Feuer: Für einige Eltern und ihre Kinder gehören nach wie vor echte Kerzen in die (im besten Fall selbst gebastelte) Laterne. Eine Papierlaterne kann aber schnell Feuer fangen. Verbrennungen sind nicht ausgeschlossen. „Wer auf Nummer sicher gehen will, der greift zu Laternenstäben mit integrierter LED-Leuchte“, raten deshalb die Versicherungsexperten der Deutschen Vermögensberatung.