Von Meike Schaper

Bei wie vielen Songs wartet man doch geduldig das Intro, die erste Strophe ab, nur um den Refrain endlich zu hören? Wie viele Nummern brechen erst dann so richtig aus sich raus, kommen erst später in Fahrt und scheinen die ersten Takte und Zeilen nur als Spannungsaufbau zu nutzen? Versteht mich nicht falsch, es ist nichts Schlimmes dabei, wenn Songs so komponiert sind. Worauf ich aber hinaus will, ist, dass es auch andere Beispiele gibt: dass man eine Nummer nur wegen des Intros hört. Ist euch das noch nie passiert? Vielleicht geschieht es dann jetzt.

Denn bei „Gasoline“ von „Seether“ geht mir das so, wie beschrieben. Seether – überhaupt eine Band, die viel zu wenig Beachtung findet! Frontmann Shaun Morgan Welgemoed hat eine dermaßen geniale Stimme mit 100 Prozent Wiedererkennungswert, da sollte man doch meinen, dass seine Kombo ein wenig präsenter wäre. Gegründet 1999, wird die Band der Post-Grunge-Ära zugeordnet. Okay, das kann ich unterschreiben, erinnerte mich Welgemoed damals doch auch optisch an einen Mix aus Kurt Cobain und Daniel Johns („Silverchair“) – heute sehe ich eher Ähnlichkeit zu Nilz Bokelberg (der Typ aus den Viva-Anfängen) – oha...

Aber zurück zu der ausgewählten Nummer „Gasoline“: Auf dem 2003er-Album „Disclaimer“ erschienen, hatte mich der Song von Anfang an (manchmal allerdings auch nur da…). Dieser Einstieg! Diese fett angeschlagenen Gitarrensaiten! Ein Traum! Was braucht man mehr zum Glücklichsein, als diese ersten wenigen Töne? Danach kann es nur schlechter werden – trotzdem ist der Song auch in den folgenden Takten durchaus hörenswert. Aber wer will schon einen Burger, wenn er gerade ein authentisches Barbecue genossen hat? Zum Frontmann gibt es da allerdings noch eine Story, die ich euch verrate: In der ersten Zeit schmückte sich Shaun Morgan Welgemoed mit einem Lippenring, den ich ziemlich scharf fand. Nun bin ich allerdings ’ne Memme, was Piercings betrifft. Neidisch blicke ich zu den Leuten auf, die hier und da einen Stecker oder Ring in der Haut aufblitzen lassen – für jemanden, der schon beim Blutabnehmen und Impfen umkippt, ist das einfach unrealistisch. Was habe ich also getan? Richtig: mir einen Fake-Ring zugelegt und um die Unterlippe geschlungen. Passenderweise fiel das mit einer neuen, sehr roten Haartönung zusammen, und so saß ich eines Morgens an meinem Arbeitsplatz und wartete auf meine lieben Kollegen. Leute, ihr hättet die Gesichter sehen sollen – unbezahlbar! Für wenige Sekunden haben sie mir das Schauspiel tatsächlich abgekauft! Und sie erzählen heute noch davon!

Wenn ihr euch übrigens fragt, woher euch der Band-Name oder die Stimme des „Seether“-Frontmanns so bekannt vorkommt: Ja, es ist der Typ, der 2004 mit Amy Lee („Evanescence“) das Hit-Duett „Broken“ gesungen hat!

Diesen Sonntag gibt’s aber „Gasoline“ auf die Ohren – wie gewohnt gegen 11.30 Uhr bei Radio Aktiv.