Von Meike Schaper
Wir haben den Zigeuner aus der Soße entfernt, den Mohren aus dem Kopf, Studenten sind Studierende und Mitarbeiter Mitarbeitende. Worüber wir noch nicht gesprochen haben: Was, wenn Not am Mann ist? Darf ich das sagen? Oder muss ich ein „Not an der Frau“ hinterherschieben?
Verwirrende Zeiten – nicht nur für uns Schreibende. Bin ich generell als Redakteurin eine Schreibende oder nur, wenn ich diese Tätigkeit gerade ausübe? Die Frage sei erlaubt. Wenn ich nachts im Bett liege und schlafe, würde mich wohl kaum jemand als „schreibend“ bezeichnen, oder? Moment mal … jemand? Oder jemandin?
Hier haben wir wieder so einen verwirrenden Fall: Das Wort „jemand“ ist weder männlich noch weiblich, sondern unbestimmt. In der Regel nimmt man aber mit einem männlichen Pronomen Bezug auf „jemand“, sogar wenn die gemeinte Person eine Frau ist. Beispiel: „Ich kenne jemanden, der ein gelbes Fahrrad hat: Pia. Sie ist jemand, der sich gut zu helfen weiß.“ Falsch wäre aber auch nicht, zu sagen: „Ich kenne jemanden, die ein gelbes Fahrrad hat.“ Klingt irgendwie schräg, oder? Die weiblichen Formen sind nicht falsch, aber eher unüblich.
Mir fällt dabei ein: Heißt es nicht auch „den lieben Gott einen guten Mann sein lassen?“ Dabei lernt man doch schon in der Grundschule im Religionsunterricht, dass Gott weder Mann noch Frau ist. Aber Gott hat einen männlichen Artikel: der Gott. Hat sich darüber schon mal jemand Gedanken gemacht? Egal. Ich muss jetzt erst mal meine Wohnung auf Vordermann bringen. Äh …, auf Vorderfrau? Ach man … , äh, Frau, äh, was?!