Von Jens F. Meyer

Immer wenn die Urlaubszeit näher rückt, denke ich an Fremdenzimmer. Das ist so typisch deutsch und furchtbar abweisend. Fremdenzimmer klingt wie Asylantenheim in klein, jedenfalls nicht freundlich. „Bed & Breakfast“ heißt es in England. Frei übersetzt: Bett & Frühstück. Drollig, gell? Und „Chambre d‘hôte“ sagen die Franzosen. Das heißt: Gästezimmer. Von Fremden ist da nicht die Rede. Zwei Beispiele, die erklären, weshalb ich sehr selten in Deutschland Urlaub mache.

Ich stelle mir immer vor, wie Reisende aus fernen Ländern Ausschau nach einer Unterkunft für die Nacht halten und kein Hotel in Sicht ist. Sie fragen bei der Touristinformation und erhalten die Antwort, dass noch ein Fremdenzimmer ganz in der Nähe zu haben sei. Die Gäste haken nach: „Fremdenzimmer – what is that?“ Die Übersetzung folgt prompt und schroff: „Äh… a foreign room, you know? An alien chamber.“ Alien chamber. Eine Kammer des Schreckens.

Aber so ist das eben; unsere deutsche Sprache, so schön sie auch ist, birgt ein paar Tücken. Ich kann mir nicht helfen, aber ein „Rosé“ schmeckt mir immer besser als ein „Weißherbst“, obwohl es sich ja im Grunde um ein und dasselbe Gesöff handelt. Fremdenzimmer kann man sich allerdings weder mit dem einen noch dem anderen schönsaufen.