Wie eine strahlend-weiße Welle auf tiefstem Meeresblau bricht sich „Too far gone“ Bahn. Bittersüß schneidender Festgesang Jaggers rollt gegen den Strand meiner wilden Hoffnung auf das beste Jetzt. Perseidengleich glühen die Stahlseiten der Akustischen berauschend bis zum Finale. Die peitschende Rocknummer aus dem Album „Goddess in the doorway“ erodiert meine Seele wie tosender Sturm die Berghänge. Sie wäscht mich rein, spült die Furcht vor der Zukunft hinfort, löscht die Melancholie des Vergangenen. Kein war, kein wird sein.
I always hate nostalgia
Living in the past
No use getting misty eyed
It all screamed by so fast.
Jaggers mit wuchtiger Orgel unterlegter Soundteppich ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Gegenwart. Zurückblicken ist nicht sein Genre; er will keine Tränen vergießen, keine Geisel des Gewesenen sein, das ist zu weit entfernt; und er ist nicht auf der Suche nach Arkadien, dem mythischen Ort des Goldenen Zeitalters.
Er singt so hymnisch und hinreißend, dass ich ihm Glauben schenken mag: Ein Rocksong mit starker Signatur. Voranschreiter, Mutmacher, eine Heldentat für die Branche! Textlich funkelnd und musikalisch freilich ein Freudenfeuer, das züngelnd Funken sprüht bis tief hinein, wo Zuversicht aus kleinster Knospe zu größter Blüte sich entfalten mag.
Das Berührende ist: Gerade weil Sir Mick der Nostalgie einen Tritt in den Hintern zu verpassen versucht, sprüht das Biest erst recht hinauf wie eine unberechenbare Fontäne. Die Frage ist, was da hochschießt? – Lassen wir es Champagner sein, um der Schwermut entgegenzuprickeln.