Von Jens F. Meyer

Sie hat‘s versucht, die Meike, man muss es ihr lassen. Neun-Euro-Ticket gekauft und schon sechsmal in die S-Bahn gesetzt, um von Springe nach Hameln zur Arbeit zu fahren. Sechsmal mit Verspätung angekommen, weil: sechsmal nicht pünktlich abgefahren. Und zurück nach Hause dasselbe Dilemma. Jetzt fährt sie wieder Auto.

Die Bahn ist eben nicht mehr das, was sie mal war. Die S-Bahn Hannover fährt – und vor allem: steht – ja unter neuer Führung. Das erinnert mich stark an die Gelben Säcke. Auch hier hatten sich die Firmenabfuhrverhältnisse geändert – seitdem kann ich den Plastikunrat eigentlich auch locker einen Tag später vor die Zauntüre stellen. Wenn man’s weiß, funktionieren selbst störende Gesetzmäßigkeiten ganz passabel.

Stichwort Grünschnittabfuhr: An neun von zehn Abfuhrterminen wird es regnen. Kann man nicht ändern, muss man mit dem Matsch eben klarkommen. Geht auch, man weiß es ja vorher. Oder einkaufen im Supermarkt: Kaum drin, stellt man fest, dass die To-Buy-Liste zu Hause liegt. Egal, war vergangene Woche nicht anders und man ist trotzdem nicht verhungert.

Oder beim Parken: Hundertmal kann man ein Ticket gezogen haben, aber kaum da man sich ein einziges Mal ausnahmsweise der pflichtbewussten Zahlung für den öffentlichen Stellplatz entzieht, kommt das Knöllchen garantiert. So gesehen ist auch Zugfahren nicht schlimm. Schlimm wird’s erst, wenn die Lok mal pünktlich ist. Bringt einen völlig aus der Spur.