Dass er performen kann, hat er oft bewiesen. Dass er ein Super-Entertainer ist, auch. Und jetzt, da streichelnde Violinen und kuschelnde Celli seinen grazilen Gesang seidenweich untermauern, ihn tragen bis zu solchen Wolken, die die Nummer sieben haben, ergreift mich Robbie Williams bis ins Tiefste. „Lost“ vom Best-Of-Album „XXV“ hört sich leicht an, ist aber ein Schwergewicht an Ausdruck und Musikalität; kaum jemals hat er mich mehr überzeugen können!
Erfolgsproduzent Guy Chambers hatte den Finger drauf; da konnte nichts schiefgehen. „Lost“ schwebt wie die Feder eines Rotkehlchens aus Baumes Krone; die inhaltliche Ernsthaftigkeit ist der totale Kontrast. Dieses Lied handelt von jenen Zeiten, in denen der Superstar vor sich selbst davongelaufen sei, so ließ er es seine Fans bei der Präsentation wissen. Die Zeilen spiegeln es wider:
I lost my place in life
I lost my point of view
I lost what it is to love
When I lost my faith in you.
Vier Zeilen weich wie Pulverschnee, die wie ein robuster Pfeiler der Läuterung wirken. Slidegitarre und engelsgleicher Background begleiten Robbies Weg durch diese dreieinhalb Minuten, die unter Beweis stellen, dass sich ein Epos – und als nichts weniger empfinde ich „Lost“ – nicht durch Länge auszeichnet, sondern in die Tiefe gehen muss, um Abgründe zu zeigen, ohne das Licht der Hoffnung auf eine bessere Welt aus den Augen zu verlieren. An Hingabe mangelt es in keinster Form, nicht bei der Band, nicht beim Orchester, nicht bei ihm, Robbie, dessen Version von „Mr. Bojangles“ wohl die einzige war und immer sein wird, die an Sammy Davis jr. heranreicht. Großartig!
Und „Lost“ ist es auch: großartig. Funkelnd wie ein Komet und stark wie die Liebe! Weil es nichts stärkeres gibt, darf dieses Popkunstwerk gerne zur Selbstreflexion dienen. Damit man nicht selbst verloren geht.